 Der fahrerlose Papierrollentransporter hat eine Nutzlast von 3 to |
Diese Kombination findet man häufiger: je größer und schwerer, desto empfindlicher. Für Papierrollen gilt das allemal. Im vorliegenden Fall ist die bei einem im badischen Gernsbach ansässigen Papierproduzenten hergestellte und aufgerollte Ware nicht nur groß und schwer, das Spezialpapier reißt auch sehr leicht. Entsprechend behutsam muss man es aufnehmen, transportieren und abgeben.
Transportiert werden unverpackte, geschnittene Papierrollen ohne Ladehilfsmittel von drei so genannten Breitenumrollern zu einer Rollenpackanlage. Die Dimensionen der Rollen variieren zwischen 400 und 1.500 mm im Durchmesser und zwischen 300 und 3.200 mm in der Länge. Die Papierrollen haben ein Maximalgewicht von 3.000 Kilogramm. Seit Sommer 2005 erledigt ein fahrerloses MLR-Transportfahrzeug (FTF) mit Magnetnavigation – also frei navigierend – diese Transportaufgaben. Das automatische Fahrzeug ist mit Prismenzinken ausgerüstet, auf denen die Rollen liegen. Wegen der unterschiedlichen Durchmesser lassen sich die Zinken stufenlos horizontal verstellen. Hierzu wird der jeweilige Rollendurchmesser durch einen Spezialsensor vermessen. Zudem verfügt das Fahrzeug über ein Hubgerüst, damit können die Rollen behutsam bodeneben aufgenommen und abgegeben werden. Der PHOENIX BN-3,0 Mr, so die Typenbezeichnung des Geräts, fährt vorwärts und rückwärts mit einer Geschwindigkeit von bis zu 1,0 m/s. Er ist zur Hinderniserkennung vorn und hinten mit Laserscannern sowie – ebenfalls aus Sicherheitsgründen – seitlich mit Schaltleisten und einem Bumper am rechten Radarm ausgestattet. Beauftragt wird das Fahrzeug mittels Ruftaster über eine einfache Wireless-LAN-Technik.
 Kann auch Paletten transportieren - das Reserve-FTF vor der Auslieferung |
Wie in der Papierindustrie üblich arbeiten alle Anlagenteile, also auch das fahrerlose Transportsystem (FTS), an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr. Es darf also keine Fahrzeugausfälle geben, sonst geriete der gesamte Materialfluss ins Stocken, und das wäre fatal. Auch bei einer Verfügbarkeit von fast 99 % braucht jedes Gerät mal eine Pause, muss gewartet und instand gesetzt werden. Deshalb hat der Papierproduzent bei MLR Anfang 2006 einen weiteren PHOENIX BN-3,0 Mr in Auftrag gegeben. Da dieses Gerät nur in den Ruhezeiten des ersten für den Rollentransport genutzt wird, hat man sich einen doppelten Nutzen einfallen lassen: dank einer ausgeklügelten Konzeption kann das Gerät auch noch Paletten transportieren. Dazu sind über den Prismengabeln zwei parallel angeordnete Rollenbahnen montiert. So lässt sich das Gerät in der „Wartezeit“ als Transporter für zwölf verschiedene Palettentypen nutzen. Die Paletten werden auf einem separaten Fahrkurs von einem Rollenförderer zu einem Palettenpuffer mit sechs Rollenbahnen transportiert. Da auf der Fahrstrecke des FTF auch Stapler fahren, ist der gemeinsame Parcours mit einer Verkehrsregelung abgesichert.
Sollte der „Nr. 1“ für Wartung und Instandsetzung pausieren, brauchen die Mitarbeiter des Papierherstellers lediglich mit wenigen Handgriffen die beiden Rollenbahnen des Fahrzeugs Nr. 2 entfernen. Auf diese Weise schaltet der FTF-Bordrechner das Gerät automatisch vom Palettentransporter zum „normalen“ Rollentransporter um, mit dem der Betrieb aufrecht erhalten werden kann. Die Paletten werden in der Zwischenzeit von Staplern transportiert.
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