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LINDE-CHEF DEUTET SCHWACHES QUARTAL ANArchiv
LINDE-CHEF DEUTET SCHWACHES QUARTAL AN
Meldung vom 14.5.2003

Pessimistische Aussagen von Linde-Chef Wolfgang Reitzle zum Verlauf des ersten Quartals haben den Aktienkurs des Industriegase- und Gabelstaplerkonzerns am Montag stark belastet. Die Titel verloren zeitweise knapp acht Prozent und führten damit die Verliererliste im Deutschen Aktienindex (Dax) an.

'Wir sehen, dass unser wichtigster Markt Deutschland überhaupt nicht anspringt, sondern weiter nachlässt', hatte Reitzle der 'FTD' gesagt. Das Asiengeschäft, vor allem bei den Gabelstaplern, sei durch die Lungenkrankheit SARS beeinträchtigt. 'Das erste Quartal verlief nicht berauschend', sagte der Konzernchef. Zwar stehe nach wie vor das Ziel, in diesem Jahr einen spürbar höheren operativen Gewinn zu erzielen als 2002. 'Nach dem Verlauf des ersten Quartals ist dieses Ziel jetzt aber erheblich schwieriger zu erreichen.'

Die Wiesbadener hatten Ende März bereits zum ersten Quartal mitgeteilt, dass sich die Wachstumsaussichten für die deutsche und europäische Wirtschaft seit Jahresbeginn weiter eingetrübt haben. Auch Linde, die rund 75 Prozent ihres Umsatzes in Europa erwirtschaftet, habe sich von der Konjunkturflaute nicht abkoppeln können, hieß es damals. So habe der Umsatz in den ersten beiden Monaten mit 1,2 Mrd. Euro leicht unter Vorjahr gelegen. Das Gasegeschäft habe sich weiter positiv entwickelt.

Unterdessen kündigte Reitzle am Wochenende eine strategische Weichenstellung in den nächsten zwei bis drei Jahren an, bei der sich der Konzern auf ein Geschäftsfeld konzentrieren könnte. 'Die Optionen sind vielfältig', sagte Reitzle der 'Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung'. Eine solch weit reichende Entscheidung wolle er aber nicht übers Knie brechen. Linde könne so weitermachen wie bisher und sich auf die Profitabilität konzentrieren oder sich als Gaskonzern aufstellen und die Bereiche Gabelstapler, Fördersysteme und Kältetechnik abgeben, sagte der seit Jahresbeginn amtierende Linde-Chef. 'Wir könnten uns aber genauso gut als Anlagenbauer positionieren.' Dann würde die Gassparte veräußert und Linde könnte mit mindestens 8 Mrd. Euro Erlösen auf Einkaufstour gehen. 'Es gibt sehr viele unterbewertete Ingenieurunternehmen, die wir dann mit dem Geld kaufen könnten. Das kann auch sehr reizvoll sein.'

Über die Hälfte des Jahresumsatzes von 8,7 Milliarden Euro macht Linde mit der Sparte Industriegase und Engineering, ein Drittel mit der Gabelstaplersparte Material Handling und rund zehn Prozent mit der Kältetechnik. Diese Sparte will Linde bis Ende 2003 ausgliedern. Dabei sind die Optionen Weiterführung des Geschäfts, Eingang von Kooperationen oder auch ein möglicher Verkauf offen.

Handelsblatt, 12. Mai 2003
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