 Erfassen mehrfach tiefer Paletten: Der Staplerfahrer kann auf seinem Bildschirm das Lesen der Paletten in Echtzeit mitverfolgen. |
Für die Getränkeindustrie gilt die EU-Norm 178/2002, nach der jeder Produzent eine vollständige Chargenrückverfolgbarkeit seiner Waren gewährleisten muss. Dazu ist es beispielweise notwendig, dass dem Lagerverwaltungssystem jederzeit bekannt ist, wo sich welche Palette befindet. In Anwendungen aus der Getränkeindustrie werden bisher die Barcodes der Paletten, auch bei mehrfach tiefen Transporten mit Gabelstaplern, häufig manuell gescannt. „Dieses Verfahren ist vor allem fehleranfällig, Bestandssicherheit kann hier nicht gewährleistet werden. Die Herausforderung bei unserer Lösung bestand darin, diesen Nachteil mit einem automatischen System zu reduzieren“, erzählt Markus Heinecker.
In der aktuellen Anwendung werden jeweils sechs Halbpaletten aus Kunststoff mit einem Stapler gleichzeitig aufgenommen und transportiert. Auf den Paletten befinden sich Getränke, die von der Produktion ins Lager sowie aus dem Lager in den Warenausgang transportiert werden. Im Mittelfuß aller Kunststoffpaletten wird je ein RFID-Tag (Transponder) angebracht. Jeder Transponder ist mit einer eindeutigen Nummer versehen. Sobald die Palette mit Artikeln befüllt ist, wird der Transponder mit der Ware im Lagerverwaltungssystem „verheiratet“. Der Staplerfahrer erkennt auf seinem Terminal, das über Funk mit dem Lagerverwaltungssystem verbunden ist, ob er die richtigen Paletten aufgenommen bzw. abgestellt hat und kann bei Bedarf korrigieren. Diese Gesamtlösung wurde im Frühjahr 2008 bei einem Kunden aus der Getränkeindustrie auf Herz und Nieren geprüft. „Der Test war sehr erfolgreich.“, berichtet Markus Heinecker, „eine nahezu 100-prozentige Leserate konnte gewährleistet werden.“
Besonderes Augenmerk hat Jungheinrich auf die Entwicklung einer robusten Antennenlösung gelegt. „Das war eine der größten Herausforderungen in unserem Projekt!“, so Heinecker weiter. „Es musste nämlich sichergestellt werden, dass die Antennen einerseits nicht durch Paletten oder herunter fallende Lasten beschädigt oder gar zerstört werden. Zum anderen durfte die abschirmende Wirkung von Flüssigkeiten nicht zum Tragen kommen.“
Zusammen mit dem Lehrstuhl „Fördertechnik, Materialfluss, Logistik“ (fml) der TU München entwickelte Jungheinrich eine Lösung, bei der die Antennen direkt in die Gabelzinken des Staplers integriert werden. „Hier sind sie robust und sicher ‚verpackt’“, so Heinecker weiter. Die Transponder aller sechs Paletten werden direkt beim „Vorbeifahren“ (sowohl während des Einfahrens als auch beim Herausfahren) automatisch erkannt. „Die abschirmende Wirkung von Flüssigkeiten, die sich auf den Paletten befinden, beeinflusst die Identifizierung in keiner Weise“, fügt Heinecker an. Zudem sei die hier entwickelte Lösung, im Vergleich zu Antennenlösungen außen an den Gabeln oder am Hubmast, nahezu unzerstörbar.