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Beckengurte können ernsthafte innere Verletzungen verursachen, deshalb werden Ganzkörper-Auffanggurte empfohlen.
Beckengurte können ernsthafte innere Verletzungen verursachen, deshalb werden Ganzkörper-Auffanggurte empfohlen.
Die Anforderungen bei der Nutzung von Hubarbeitsbühnen dringen immer stärker ins Bewusstsein vor. Wann und wie Auffanggurte und Halteseile anzulegen sind, bleibt allerdings weitgehend ein Rätsel.

Anschnallen - oder auch nicht? Mit dieser Frage sehen sich Nutzer von Hubarbeitsbühnen mit schöner Regelmäßigkeit konfrontiert. „Auf Baustellen sind viele Arbeiter anzutreffen, die keine Ahnung haben, wie Auffanggurte am besten einzusetzen sind“, meint Rupert Douglas-Jones, internationaler Schulungsmanager der IPAF.


Hilfe ist aber zur Hand in Form der technischen Anleitung H1, die von der IPAF nach umfangreichen Beratungen mit Branchenvertretern und mit dankenswerter Unterstützung der deutschen Berufsgenossenschaften, der schweizerischen Suva, der UK Health & Safety Executive und der niederländischen Aboma-Keboma sowie SGS entwickelt wurde.

Sollen Auffanggurte verwendet werden? Bei Teleskoparbeitsbühnen lautet die Antwort uneingeschränkt „Ja“. Weltweit hört man, dass bei einer beträchtlichen Anzahl von Unfällen Arbeiter aus dem Korb geschleudert wurden. Dafür kann es mehrere Ursachen geben: An Straßen eingesetzte Teleskopbühnen werden von vorbei fahrenden Fahrzeugen berührt; Maschinen werden bei ausgefahrenem Ausleger bewegt und überfahren einen Bordstein oder eine Unebenheit. Sogar die Erschütterung beim Abladen von einem Tieflader kann ausreichen.

Das gemeinsame Element dabei ist stets der Peitscheneffekt, der auftritt, wenn ein Korb weit vom Schwerpunkt einer Maschine entfernt ist. Diese Kraft ist nicht zu unterschätzen. „Ich führte einmal einen Test in einem Teleskopgerät durch, und wir fuhren absichtlich über einen Randstein“, erzählt Douglas-Jones. „Obwohl ich wusste, was mir bevorstand, schaffte ich es nicht, meine Füße auf dem Boden zu halten, und mir fiel mein Handy aus der Tasche.“

Bei Senkrecht-Liften (Scherenarbeitsbühnen und Senkrecht-Personenliften) ist die Angelegenheit aber nicht ganz so klar. „Zum einen kann durch angelegte Auffanggurte und die dadurch bedingte Einschränkung der Bewegungsfreiheit ein recht großer toter Winkel auf der Plattform entstehen, was eigene Gefahren in sich birgt“, erläutert Douglas-Jones. „Zum anderen müsste man wegen der Größe einiger Bühnen von Senkrecht-Liften mit Auffanggurten ein sehr langes Halteseil einsetzen, wenn man sich auf der gesamten Plattform frei bewegen will. Dieses könnte sich schnell verheddern, besonders wenn mehr als eine Person auf der Plattform ist, was ebenfalls Gefährdungen mit sich bringt. Und wenn man sich über das Geländer hinauslehnen muss, setzt man mit Sicherheit den falschen Maschinentyp ein.“

Was sollte angelegt werden?

Welche Art von Auffanggurt bzw. Halteseil sollte angelegt werden?
„Beckengurte sind als Sturzrückhalt in den USA längst verboten, da sie innere Verletzungen verursachen können. Deshalb ist der Einsatz eines Ganzkörper-Auffanggurts zu empfehlen“, erklärt Douglas-Jones.

Des Weiteren gibt es zwei Grundtypen von Halteseilen. „Rückhalteseile sind die einfachste Variante. Sie verhindern, dass Bediener in eine Position gelangen, von der aus sie herausgeschleudert werden könnten“, meint Douglas-Jones.
Den zweiten Typ, die so genannten Halteseile, gibt es in vielen Formen, Größen und Konfigurationen. „Man könnte sich ein zwei Meter langes Halteseil für die Arbeit auf vier Metern Höhe besorgen und meinen, dass damit alles in Ordnung sei. Ist es allerdings mit Stoßdämpfung ausgestattet, könnte man zunächst die Länge des Seils fallen, dann kommt dazu die Länge, die zur Stoßdämpfung benötigt wird, sowie die eigene Körperlänge. Das könnte sich problemlos auf fünfeinhalb Meter aufaddieren, und bei einem Sturz hat man so schnell die Beine gebrochen – oder es endet noch schlimmer“, legt er dar.

„Somit ist klar, dass immer ein Rückhaltesystem Verwendung finden sollte, welches von vornherein das Herausfallen aus dem Korb verhindert. Damit unterbindet man auch die kritische Lage für hängende Personen sowie die enorme dynamische Belastung der Arbeitsbühne“.

„Am wichtigsten ist es aber, daran zu denken, dass die Notwendigkeit eines Sturzrückhaltesystems das Ergebnis einer auftragsspezifischen Risikobewertung sein muss, die vor Beginn der Arbeiten durchgeführt wird. Unter gewissen Umständen – vor allem bei Arbeiten auf niedriger Höhe, z. B. über Wasser mit dem verbundenen Risiko des Ertrinkens – kann dies die generelle Empfehlung außer Kraft setzen, in Ausleger-Plattformen Auffanggurte zu tragen“.

„Nicht empfehlen können wir den Einsatz von Trägheitsgeräten wie bei den Autosicherheitsgurten, da diese Mechanismen im rauen Arbeitsalltag kaputt gehen können. Es sollte außerdem bekannt sein, dass Schäden an Halteseilen, besonders durch Abrieb, deren Leistung erheblich beeinträchtigen können. Man könnte meinen, dass Knicke und Risse schwerwiegender wären, doch das größte Risiko steckt im Abrieb, und der geschieht schnell. Außerdem ist auf den richtigen Umgang mit den Verbindungsteilen zu achten: Karabiner müssen beispielsweise richtig ausgerichtet sein (längs, nicht seitlich)“, rät Douglas-Jones.

„Und schließlich darf ein Halteseil nicht an einem Element außerhalb des Auslegerkorbs befestigt werden – es sei denn, Sie wollen noch ein bisschen „rumhängen“, wenn die Kumpel nach Arbeitsende nach Hause gehen.“

Die IPAF-Broschüre H1 über die Verwendung von Auffanggurten finden Sie als pdf durch Klicken auf diesen Link.

Quelle: IPAF-Journal, www.ipaf.org/de
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