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Fahrerloser Grashüpfer
Fahrerloser Grashüpfer
Mit dem »Flexible Lifter for Intralogistics and Production«, kurz FLIP, hat das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML ein extra schlankes fahrerloses Transportfahrzeug (FTF) mit innovativer Lastaufnahme vorgestellt. Der Behältertransporter mit den Grashüpferbeinen ist ein weiterer Baustein auf dem Weg zur infrastrukturlosen Intralogistik.

Kompakter, leichter, schmaler: Mit einer Breite von 560 mm ist FLIP fast so schmal wie die Behälter, die er aufnimmt. Vergleichbare Fahrzeuge sind nach aktuellem Stand der Technik deutlich breiter. Möglich macht dies eine Lastaufnahme, die von ihrer Bewegung her an die Beine eines Grashüpfers erinnert. FLIP nimmt Behälter und Behälterstapel direkt vom Boden auf, indem er sie während des Fahrens mit seinen Schenkeln umschließt und durch das Anziehen seiner Beine automatisch gleichzeitig anhebt. Damit finden Aufnahme- und Hubbewegung zur selben Zeit statt. Dadurch wird eine sehr kompakte Bauart erreicht und es können Übergabepositionen auch bei engen Platzverhältnissen realisiert werden. FLIP benötigt zudem keine Übergabestation und kann den Angaben zufolge Behälter jederzeit an beliebiger Position abladen und aufnehmen – ein weiterer Schritt auf dem Weg in die infrastrukturlose Intralogistik.
»FLIP unterstreicht damit einmal mehr die Innovations-Kompetenz des Fraunhofer IML.
Die Nachfrage nach cleveren, wandlungsfähigen Logistiklösungen, die sich schnell und flexibel an veränderte Rahmenbedingungen anpassen, ist größer denn je. Das zeigt beispielsweise der Smart Transport Robot, den wir auf der LogiMAT 2016 gemeinsam mit BMW vorgestellt haben und der so gefragt ist, dass BMW nun überlegt, ihn – zusätzlich zum internen Einsatz – auch auf dem Markt anzubieten. Mit FLIP, erstmals auf der Stuttgarter LogiMAT 2019 vorgestellt, wollen wir hier die nächste LogiMAT-Erfolgsgeschichte schreiben«, so Prof. Michael ten Hompel, geschäftsführender Institutsleiter des Fraunhofer IML.

Der Prototyp soll allerdings nicht als komplettes Fahrzeug verkauft werden, sondern in erster Linie das neue – bereits zum Patent angemeldete – Lastaufnahmeprinzip veranschaulichen. Darüber hinaus zeigt das Institut anhand der Konzeptstudie, wie sich innovative Technologien und neue Konzepte umsetzen lassen.

Die Lokalisierung erfolgt beispielsweise mithilfe einer der neusten Sensortechnologien am Markt. Der innovative, hochpräzise Navigationssensor eines niederländischen Start-ups soll dafür sorgen, dass das Fahrzeug exakt weiß, wo es sich in welchem Winkel befindet. Dafür vermisst der Sensor während der Fahrt Bodenmerkmale und liefert Bewegungs- und Positionsdaten. So wird kann auch in wechselnden Umgebungen ohne zusätzliche Infrastruktur eine hohe Genauigkeit erreicht werden. Wie es weiter heißt, lässt sich FLIP jedoch prinzipiell problemlos auch mit anderen Lokalisationsverfahren umsetzen.

Der Prototyp ist mit Lithium-Eisenphosphat-Akkus ausgestattet. Auch hier gilt, dass prinzipiell beliebige andere Akkus zum Einsatz kommen können. Das Fahrzeug ist auf eine Laufzeit von maximal neun Stunden ausgelegt. Je nach Anzahl der Lastaufnahmevorgänge pro Zeit und den Lastgewichten kann diese in der Praxis leicht variieren.

In der aktuellen Version ist FLIP auf eine Nutzlast von 60 kg ausgelegt. In Abhängigkeit von seiner Beladung kann er so zwei bis drei Standardkleinladungsträger (KLT) übereinander transportieren. Bei geringerer Beladung sind entsprechend mehr KLT stapelbar.

Einsatzzweck für FLIP können vor allem Anwendungen mit vielen Quellen und Senken sein, deren Ausstattung mit jeweils einer Übergabestation mit erhöhten Kosten verbunden wäre und eine Übergabe auf dem Boden daher vorteilhaft ist. Solche Anwendungsfälle finden sich häufig im Produktionsumfeld, z. B. in der Spritzgussfertigung. Hier produzieren viele Maschinen direkt in Behälter hinein, die auf dem Boden stehen und regelmäßig ausgetauscht werden müssen.

FLIP ist von der Idee bis hin zur prototypischen Umsetzung komplett am Fraunhofer IML entstanden. Dafür kamen die eigene mechanische und elektrotechnische Werkstatt und auch das 3D-Druck-Labor zum Einsatz. Als nächsten Schritt suchen die Wissenschaftler nach einem Industriepartner, mit dem sie das Lastaufnahmemittel in Richtung eines marktfähigen Produktes weiterentwickeln möchten.


www.iml.fraunhofer.de
Bild: Fraunhofer IML
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